In zwei Elementen zu Hause - Die Wasseramsel


Begonnen hat diese Geschichte 2008 auf der Hochzeit unseres Neffen. An unserem Tisch saß der Opa der Braut und hat mir im Laufe des Abends etwa siebenmal von einer Wasseramsel erzählt, die an einem Wehr unter der Wasserkaskade gebrütet habe. Ich kannte den Vogel aus dem Fernsehen, hatte aber zu diesem eigentlichen Gebirgsbewohner keinen Bezug. Das Interesse war jetzt aber geweckt und irgendwann, dass wusste ich, werde ich den Piepmatz suchen.

2015 waren wir mit Freunden im Spreewald zum Kurzurlaub. Bei einer Kahnfahrt durch die Kanäle entdeckte ich unter einer der zahlreichen Brücken, unter denen wir uns bücken mussten, eine Wasseramsel und ihr Nest. Jetzt war aus Interesse bereits Jagdeifer geworden, nur einen Plan hatte ich noch nicht.

Unsere erste richtige Begegnung mit dem Vogel hatten wir dann 2018, als wir eine Woche Urlaub im Elbsandsteingebirge verbrachten. Bei einer Wanderung durch die böhmische Schweiz bemerkten wir in den Klamms das aufgeregte Rufen der Jungvögel, die verstreut auf den Steinen ihre Eltern vehement und lautstark um Futter anbettelten. Zum ersten Mal konnten wir die Wasseramseln bei der Nahrungssuche und der Fütterung hautnah beobachten. Allerdings hatten wir nicht die nötige Fotoausrüstung dabei, um gelungene Aufnahmen zu schießen. Jetzt, da wir wussten, wie sich die Wasseramsel anhörte, begleitete uns das Rufen der Altvögel und der Jungen auf der ganzen Wanderung durch die Wilde Klamm wie auch die Edmundsklamm.

Nach unserer Rückkehr fanden wir durch unser nunmehr geschultes Ohr selbst im Ort Krippen unter der Brücke Wasseramseln. Man lernt eben nie aus!

2019 entdeckte ich meine erste eigene Wasseramsel! Hier bei uns im Norden, wo es Gebirgsbäche nur auf Postkarten gibt! An der Fischtreppe in der Zarow konnte ich sie bei der Futtersuche und beim Schlafen beobachten und nun endlich auch fotografieren. Durch meine Mitarbeit im Naturpark-Förderverein hatte ich seit einigen Jahren auch immer engen Kontakt zu den Vogelberingern. So erfuhr ich, dass es sich hier um die skandinavische Unterart handelte, deren Vertreter in strengen Wintern gerne auch einmal die Ostsee überqueren, um hier in Mecklenburg-Vorpommern zu überwintern.

Mittlerweile ist mein Auge und selbst meine Ohr schon ein wenig geschult. So konnte ich im Dezember 2021 an der Schleuse in Torgelow erneut zwei verschieden Wasseramseln nacheinander beobachten. Beide zeigten nur wenig Scheu und ich konnte ein paar schöne Bilder schießen, vor und ein paar Tage später auch nach dem Beringen. Insgesamt habe ich in diesem Winter drei Wasseramseln beobachten können. Wenn man bedenkt, wie selten sie in unserm Bundesland auftauchen, habe ich doch großes Glück gehabt. Eine befreundete Journalistin hat dann aus meinen Erzählungen und dem Fachwissen des Vogelwartes einen schönen Artikel über diesen ebenso schönen Vogel geschrieben.